Führungsfeedback-Musterbericht: Wie ein Ergebnisbericht aufgebaut ist

Die Seiten eines Führungsfeedback-Berichts erklärt: Überblick, Portfolio, Einzelergebnisse und offene Antworten, jeweils mit einer Beispielseite aus Survkit.

Der Ergebnisbericht ist das, was von einem Führungsfeedback bleibt. Die Führungskraft bekommt ihn zuerst, meist als PDF, und bereitet damit das Gespräch mit ihrem Team vor. Er muss deshalb zwei Dinge gleichzeitig können: auf einen Blick zeigen, wo Selbst- und Fremdeinschätzung auseinanderliegen, und trotzdem so nüchtern bleiben, dass niemand sich vorgeführt fühlt. Dieser Artikel zeigt die Seitentypen unseres Berichts an einem Beispiel: eine fiktive Führungskraft, neun Rückmeldungen aus dem Team, Fragebogen nach dem IWOP-Führungsmodell.

Der Bericht ist im Querformat angelegt, damit die Ergebnistabellen mit ihren Ergebnislinien und Häufigkeiten Platz haben. Jede Seite trägt oben rechts ihre Seitenzahl; ein Inhaltsverzeichnis am Anfang verlinkt auf alle Seiten. Auf das Deckblatt folgt eine Seite „Zu diesem Bericht” mit dem Verfahrensablauf, den Eckdaten der Befragung und einer Lesehilfe zur Skala, zu den Ergebnislinien und zur Mindestzahl. Wie viele Seiten ein Bericht hat, hängt von der Zahl der Themenfelder ab: Auf die Zusammenfassung folgt je Themenfeld eine Einzelergebnisseite, danach die offenen Antworten.

Der Überblick

Die wichtigste Seite. Alle Themenfelder stehen untereinander, je Themenfeld eine Zeile. Von links nach rechts:

  • Anzahl: Wie viele Rückmeldungen aus der Fremdeinschätzung in das Themenfeld eingegangen sind. Unter der Mindestzahl bleibt die Zeile leer.
  • Ergebnisse: Zwei Mittelwert-Chips, links die Fremdeinschätzung mit dem schwarzen Quadrat, rechts die Selbsteinschätzung mit dem blauen Kreis. Die Farbe des Chips folgt der Skala von Rot bis Grün.
  • Ergebnislinien: Beide Mittelwerte auf der Skala von 1 bis 5, über alle Zeilen zu Linien verbunden. Wo Fremd- und Selbsteinschätzung um einen Skalenpunkt oder mehr auseinanderliegen, steht ein Pfeil zwischen den Markern: rot nach links für einen Blind Spot, die anderen sehen die Führungskraft kritischer als sie sich selbst, grün nach rechts für eine verborgene Stärke.
  • Häufigkeiten: Wie sich die Antworten auf die fünf Skalenstufen verteilen, als Balken mit Anzahl. Ein Mittelwert von 3,4 kann „alle finden es mittel” oder „die Hälfte begeistert, die Hälfte enttäuscht” bedeuten. Der Balken zeigt, welches von beiden.
Überblick 4 ANZAHL ERGEBNISSE ERGEBNISLINIEN HÄUFIGKEITEN 12345 1 2 3 4 5 Themenfelder A: Kompetenzen & Fähigkeiten 9 4,3 4,5 4 14 17 B: Engagement & Identifikation 9 4,5 4,8 3 12 21 C: Teamgeist & Wertschätzung 9 3,4 4,5 5 10 14 5 D: Netzwerk & Dienstleistungsorientierung 9 4,1 4,0 6 13 14 E: Strukturen & Prozesse 9 3,6 4,3 4 9 16 6 F: Qualität & Zielerreichung 9 4,4 4,3 3 13 19 G: Orientierung & Vision 9 3,9 4,0 3 7 16 10 H: Veränderungsbereitschaft & strategisches Denken 9 4,4 3,3 4 11 20 Fremdeinschätzung Selbsteinschätzung Verborgene Stärke Blind Spot Die Antwortskalen der Items finden sich auf den Einzelergebnisseiten.Häufigkeiten: absolute Anzahl der Nennungen, auf Überblicksebene über alle Items des Themenfelds summiert.
Überblick: acht Themenfelder, Themenfeld C mit Blind Spot, Themenfeld H mit verborgener Stärke.

Im Beispiel springen zwei Zeilen ins Auge. Bei Teamgeist und Wertschätzung schätzt sich die Führungskraft mit 4,5 ein, das Team gibt 3,4, ein Blind Spot. Bei Veränderungsbereitschaft ist es umgekehrt: Das Team sieht mit 4,4 mehr, als die Führungskraft sich mit 3,3 selbst zutraut. Beides sind Gesprächsanlässe, und zwar sehr unterschiedliche.

Items mit hoher und niedriger Zustimmung

Nach dem Überblick folgen die fünf Items mit der höchsten und die fünf mit der niedrigsten Zustimmung, quer über alle Themenfelder. Diese Seite beantwortet die Frage, die jede Führungskraft zuerst stellt: Was läuft richtig gut, und wo brennt es? Sie ist bewusst vor den Detailseiten platziert, damit die Stärken nicht untergehen.

Items mit hoher und niedriger Zustimmung 5 ANZAHL ERGEBNISSE ERGEBNISLINIEN HÄUFIGKEITEN 12345 1 2 3 4 5 A3: Die Führungskraft kennt sich in ihrem Arbeitsbereich fachlich sehr gut aus. 9 4,8 5,0 2 7 B1: Die Führungskraft nimmt Aufgaben engagiert und motiviert wahr. 9 4,7 5,0 3 6 B2: Die Führungskraft ist ehrlich und besitzt eine hohe Glaubwürdigkeit. 9 4,6 5,0 1 2 6 F1: Die Führungskraft sorgt dafür, dass Deadlines eingehalten werden. 9 4,6 4,0 4 5 H1: Die Führungskraft sieht in Veränderungen eher Chancen als Risiken. 9 4,6 3,0 4 5 ANZAHL ERGEBNISSE ERGEBNISLINIEN HÄUFIGKEITEN 12345 1 2 3 4 5 G3: Die Führungskraft fördert die Optimierung von Prozessen und Arbeitsstrukturen im Team. 9 3,7 4,0 1 2 5 1 E2: Die Führungskraft setzt realistische Ziele und formuliert diese klar, deutlich und verständlich. 9 3,3 5,0 1 1 2 4 1 E3: Die Führungskraft informiert Mitarbeitende rechtzeitig und ausreichend. 9 3,3 4,0 2 3 3 1 C4: Die Führungskraft geht mit Konflikten konstruktiv um und sucht kompromissfähige Lösungen. 9 3,2 4,0 1 1 3 3 1 C3: Die Führungskraft beachtet persönliche Interessen und Bedürfnisse von Mitarbeitenden. 9 2,9 4,0 1 2 3 3 Fremdeinschätzung Selbsteinschätzung Verborgene Stärke Blind Spot Die Antwortskalen der Items finden sich auf den Einzelergebnisseiten.
Items mit hoher und niedriger Zustimmung: oben die fünf besten, unten die fünf schwächsten Items.

Das Portfolio

Nicht jedes schwach bewertete Themenfeld ist gleich wichtig. Am Ende jedes Themenblocks im Fragebogen haben die Mitarbeitenden deshalb angegeben, wie wichtig ihnen das Thema ist. Das Portfolio setzt beides zueinander in Beziehung: waagerecht die Bewertung, senkrecht die Wichtigkeit, die Trennlinien auf den jeweiligen Mittelwerten. Quadrant I oben links, wichtig und schwächer bewertet, hat den größten Hebel. Quadrant II oben rechts sind die Stärken, die es zu halten gilt.

Portfolio Themenfelder 6 I II IV III 4,1 4,1 A B C D E F G H 4,9 3,3 Wichtigkeit 3,2 4,9 Bewertung Themenfelder A: Kompetenzen & Fähigkeiten (4,3 / 4,2) B: Engagement & Identifikation (4,5 / 3,9) C: Teamgeist & Wertschätzung (3,4 / 4,7) D: Netzwerk & Dienstleistungsorientierung (4,1 / 3,6) E: Strukturen & Prozesse (3,6 / 4,4) F: Qualität & Zielerreichung (4,4 / 4,0) G: Orientierung & Vision (3,9 / 4,1) H: Veränderungsbereitschaft & strategisches Denken (4,4 / 3,7) Waagerecht die Bewertung, senkrecht die Wichtigkeit desThemenfelds, beides aus der Fremdeinschätzung. DieTrennlinien liegen auf den jeweiligen Mittelwerten;Quadrant I (wichtig, aber schwächer bewertet) hat dengrößten Hebel.
Portfolio: Themenfelder nach Bewertung und Wichtigkeit, Quadrant I ist das Handlungsfeld.

Einzelergebnisse je Themenfeld

Für jedes Themenfeld gibt es eine eigene Seite mit denselben Spalten wie im Überblick, jetzt je Item. Hier steht der volle Wortlaut der Aussage, damit die Führungskraft sieht, worauf sich ein Wert bezieht. Im Beispiel wird deutlich, dass der Blind Spot bei Teamgeist und Wertschätzung nicht auf allen vier Items gleich groß ist: Bei der Wertschätzung im Umgang liegen beide Sichten nah beieinander, bei den persönlichen Bedürfnissen klafft es.

C: Teamgeist & Wertschätzung 9 ANZAHL ERGEBNISSE ERGEBNISLINIEN HÄUFIGKEITEN 12345 1 2 3 4 5 C1: Die Führungskraft verhält sich ihren Mitarbeitenden gegenüber immer wertschätzend. 9 3,9 5,0 1 2 3 3 C2: Die Führungskraft ist teamorientiert und fördert eine positive Zusammenarbeit. 9 3,7 5,0 1 2 5 1 C3: Die Führungskraft beachtet persönliche Interessen und Bedürfnisse von Mitarbeitenden. 9 2,9 4,0 1 2 3 3 C4: Die Führungskraft geht mit Konflikten konstruktiv um und sucht kompromissfähige Lösungen. 9 3,2 4,0 1 1 3 3 1 Fremdeinschätzung Selbsteinschätzung Verborgene Stärke Blind Spot Antwortmöglichkeiten: 1 – trifft überhaupt nicht zu; 2 – trifft eher nicht zu; 3 – teils / teils; 4 – trifft eher zu; 5 – trifft voll zu
Einzelergebnisseite: die vier Items des Themenfelds Teamgeist und Wertschätzung.

Offene Antworten

Am Ende jedes Themenblocks konnten die Mitarbeitenden zwei Dinge in eigenen Worten sagen: Was soll die Führungskraft beibehalten, was verändern? Beide Antworten einer Person stehen nebeneinander in einer Zeile, wörtlich, ohne Kürzung, ohne Zuordnung. Wenn eine Antwort Rückschlüsse auf die Person zuließe, wird sie ausgeblendet, und der Bericht sagt das in einer Fußnote.

Offene Antworten 15 THEMENGEBIET STÄRKEN ENTWICKLUNGSFELDER Teamgeist & Wertschätzung Offenes Ohr, wenn es wirklich brennt. Die Tür steht dannimmer offen. Im Alltag geht die Wertschätzung manchmal unter, einkurzes Danke würde schon helfen. Teamgeist & Wertschätzung Konflikte werden nicht ausgesessen, sondernangesprochen. Persönliche Belastungen früher wahrnehmen, nicht erst,wenn jemand ausfällt. Strukturen & Prozesse Klare Zuständigkeiten seit der Umstrukturierung. Ziele werden oft spät kommuniziert, dann wird eshektisch. Veränderungsbereitschaft Neue Ideen werden ernsthaft geprüft und nichtabgebügelt. Die Freitextantworten sind wortwörtlich und ohne Zuordnung zu Personen wiedergegeben.
Offene Antworten: Stärken und Entwicklungsfelder je Themengebiet, eine Zeile pro Person.

Was der Bericht nicht zeigt

Keine Rohdaten, keine Einzelantworten, keine Auswertung unter fünf Rückmeldungen je Perspektive. Vorgesetzte und die Selbsteinschätzung sind die Ausnahme: Sie werden als einzelne Personen ausgewiesen und wissen das vorher. Auf Wunsch gibt es den Bericht in zwei Fassungen, mit und ohne Selbsteinschätzung, damit die Führungskraft selbst entscheidet, ob sie ihr Selbstbild im Team offenlegt. Für Bereiche und die Organisation entstehen aggregierte Berichte, die nur die Fremdeinschätzung enthalten.

Vom Bericht zum Gespräch

Der Bericht ist Material, kein Urteil. Die Führungskraft bekommt idealerweise Unterstützung beim Einordnen, dann folgt der Workshop mit dem Team. Wie der ganze Prozess von der Zielklärung bis dahin abläuft, welche Perspektiven sich wann lohnen und wer die Berichte sieht, steht auf der Seite Führungsfeedback durchführen lassen. Welche Fragen in den Bericht einfließen, zeigt der Artikel zum Führungsfeedback-Fragebogen.